Die niedersächsische Metall- und Elektroindustrie zeigt sich robust: Trotz allgemeiner Konjunkturabschwächung sind die Auftragsbestände im Schnitt noch erfreulich hoch, wird bis in diese Wochen hinein Beschäftigung aufgebaut, zeichnet sich ein „über das Normalmaß“ hinausgehender Anstieg der Kurzarbeit im Winterhalbjahr derzeit nicht ab. Dies ist in Kurzform der Tenor der Auswertung unserer Herbstumfrage zur wirtschaftlichen Entwicklung.
Unsere Unternehmen tragen damit spürbar zur Stabilisierung der konjunkturellen Entwicklung und der wirtschaftlichen Erwartungen in Niedersachsen bei. Sie sind einmal mehr das Rückgrat unserer Wirtschaft.
Gleichwohl, die Umfrage ergab auch: Die Divergenzen innerhalb unserer Branche nehmen zu, die Unterschiede zwischen unseren Betrieben und Unternehmen wachsen. Obgleich kein Anlass zur Panik mit Blick auf den bevorstehenden Winter und das Jahr 2013 besteht und sich damit jeder Vergleich zu den Krisenjahren 2008 und 2009 verbietet – die Ergebnisse zeigen auch, dass die kräftige Aufwärtsbewegung ausläuft und wir uns insgesamt auf eine eher seitwärts gerichtete Entwicklung im kommenden Halbjahr einstellen müssen.

Die Unsicherheit gerade mit Blick auf das Jahr 2013 nimmt zu. Wir sehen dies als Tarifträgerverband auch daran, dass in letzter Zeit von den Betrieben verstärkt vom Instrument der sachgrundlosen Befristung von Beschäftigungsverhältnissen von zwei auf maximal vier Jahre Gebrauch gemacht wird, ein Instrument, das NiedersachsenMetall gemeinsam mit der IG Metall 2009 auf unbefristete Zeit vereinbart hat und das den Tarifvorbehalt im Teilzeit- und Befristungsgesetz ausnutzt. Ein mittlerweile unverzichtbar gewordenes flexibles Instrument, das unseren Unternehmen in unsicheren Zeiten eine große Hilfestellung ist. Mehr dazu auf Seite 31 dieses Reports.
Im Bundesländervergleich fällt auf, dass die niedersächsische Metall- und Elektroindustrie Lage und Perspektiven vergleichsweise positiv einschätzt. Niedersachsen ist ein Hort der Stabilität. Dies mag begründet sein in einer gerade in Niedersachsen weit überwiegend mittelständisch geprägten Unternehmensstruktur und -kultur. Es hat seine Ursache sicherlich in zahlreichen Nischen, in denen eine große Zahl unserer Unternehmen hoch innovativ und als Weltmarktführer vertreten sind und als „Hidden Champions“ es deswegen oftmals leichter haben, sich von globalen ups and downs der Konjunktur abzukoppeln.
Die niedersächsische Metall- und Elektroindustrie ist stark geprägt von inhabergeführten Unternehmen, die oft in traditionell enger Verbundenheit mit ihren Regionen ihre häufig hoch spezialisierten Ingenieure und Techniker auch bei eingetrübten Perspektiven an Bord halten.

Nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg ist stets aufs Engste verknüpft mit dem gesellschaftlichen Umfeld, in dem Unternehmen arbeiten. Wirtschaftlicher Erfolg setzt gesellschaftliche Anerkennung gegenüber denjenigen voraus, die unternehmerische Risiken auf sich nehmen. Vice versa wird der Grundgedanke der Solidargemeinschaft in Artikel 14 unseres Grundgesetzes durch den Grundsatz der Sozialverpflichtung des Eigentums – Eigentum verpflichtet – normiert, was seinen Ausdruck in einem vielfältigen sozialen Engagement unserer Unternehmen findet und heute neudeutsch unter „Corporate Social Responsibility“ firmiert. „CSR“ ist ein schillernder Begriff. Wie er beispielhaft in einigen unserer Unternehmen konkret ausgefüllt wird, lesen Sie ab Seite 4 unserer heutigen Ausgabe.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre unseres dritten NiedersachsenMetall-Reports und bedanke mich auf diesem Wege einmal mehr für die große Zahl erfreulicher Reaktionen, die wir auf die beiden vorangegangenen Ausgaben unseres Reports von Ihnen erhalten haben.
Ihr Dr. Volker Schmidt
NiedersachsenMetall
Lesen Sie weiter in der nebenstehend als PDF-Datei bereitgestellten Ausgabe 3/2012 des NiedersachsenMetall reports.