Position vom 25. Februar 2010

Verantwortungsbewusstsein für den Standort Niedersachsen

Kommentar von Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes

Das Verhandlungsergebnis zeigt, wie wichtig der Metall- und Elektroindustrie der Erhalt der Arbeitsplätze ist. Es ist uns gelungen, einen weitsichtigen Ausgleich zwischen betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit und beschäftigungspolitischer Verantwortung herzustellen. Das Ergebnis steht für eine neue Verantwortungspartnerschaft von Arbeitgebern und Gewerkschaften für die Betriebe und die Beschäftigten in unserem Land bei allen natürlichen Interessengegensätzen, die es zwischen den Tarifvertragspartnern geben muss.

Besonders hervorzuheben sind der Stil und die Sachlichkeit, mit der wir über Monate hinweg unaufgeregt und ohne Getöse sondiert und verhandelt haben. Das ist ein Gütesiegel für den Industriestandort Deutschland und für die soziale Marktwirtschaft in unserem Land. Das ist gelebte Sozialpartnerschaft.

Allen Beteiligten war vor dieser Tarifrunde klar, dass wir es nicht mit einer üblichen Tarifrunde zu tun haben. Die Lage in der Metall- und Elektroindustrie ist nach wie vor extrem angespannt: Gut 30 % der Kapazitäten liegen brach. Erstmals seit 1945 erwirtschaftet die Branche rote Zahlen. Trotzdem haben wir unsere Beschäftigung weitgehend gehalten. Unsere Sondierungsgespräche, die wir seit November mit der IG Metall geführt haben, hatten als wichtiges Ergebnis: So viel Beschäftigung zu halten wie betriebswirtschaftlich verantwortbar. Wir wissen aber auch: Kurzarbeit kostet viel Geld, denn die Remanenzkosten – Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld – bleiben in voller Höhe. 

Deswegen ist es ein großer Vorteil, dass wir mit der IG Metall ein Modell „Beschäftigung, Kurzarbeit, Qualifizierung“ (TVBKQ) entwickelt haben, das die Kurzarbeitergeldfähigkeit dieser Remanenzkosten möglich macht und im Ergebnis zu einer Senkung der Remanenzkosten bei Kurzarbeit führt. Über den Tarifvertrag „Beschäftigung, Kurzarbeit, Qualifizierung “ (TVBKQ) stellen wir den Unternehmen eine Reihe optionaler Instrumente zur Verfügung, die das Ziel der Beschäftigungssicherung mit gleichzeitiger Kostensenkung kombinieren. Der Tarifvertrag BKQ hat eine Laufzeit bis zum 30.06.2012.

Wichtig war uns, eine weitgehende Synchronisation zwischen BKQ und der Entgeltfrage herzustellen. Denn man kann das eine nicht ohne das andere haben. Wir wissen: Unsere Branche wird auch 2011 noch immense Probleme haben und möglicherweise auch noch 2012. Dies waren die entscheidenden Argumente für einen „Langläufer“ bei der Entgeltfrage. Mit jeweils 160 Euro Einmalzahlung am 01.05. und am 01.12.2010 und in der Entgelttabelle 2,7 % Plus ab 01.04.2011 (verschiebbar um max. 2 Monate nach vorne und nach hinten) trägt das Verhandlungsergebnis der Aufgabe Rechnung, weitgehende Planungssicherheit zu einer akzeptablen Belastung bei den Löhnen zu bekommen. Planungssicherheit zu diesen Konditionen ist ein Wert an sich.

Damit sieht das Verhandlungsergebnis eine weitgehende Synchronisation des Tarifvertrages „Beschäftigung, Kurzarbeit, Qualifizierung“ mit der neuen 18-monatigen Kurzarbeitergeldregelung (maximal bis 30.06.2012) und der Entgeltfrage vor.

Mit diesem Verhandlungsergebnis hat der Flächentarifvertrag einmal mehr seine besondere Vorteilhaftigkeit auch in schwierigen wirtschaftlichen Phasen unter Beweis gestellt, in dem er Planungssicherheit mit akzeptablen Belastungen und einem hohen Maß an betrieblicher Flexibilität kombiniert.

 



Weitere Informationen:
Tarifparteien übernehmen Abschluss
(Pressemeldung vom 25.02.2010)


 
 
 
 

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