Position vom 14. Januar 2010

Interview zur Konjunkturumfrage 2010

Die Ergebnisse der Mitgliederbefragung – ein Gespräch mit Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt

Frage 1:
»Herr Dr. Schmidt, Sie haben zu Beginn des neuen Jahres Ihre
Mitglieder um ein Stimmungsbild ihrer wirtschaftlichen Lage befragt.
Was sind die Antworten?«


Dr. Volker Schmidt:
»Die Antworten sind deutlich positiver als vor einem Jahr. Wir können feststellen: Die Talsohle ist durchschritten, es geht langsam wieder aufwärts. Wir müssen aber davor warnen zu glauben, dass wir jetzt wie ein Flummi wieder nach oben springen, als ob nichts gewesen wäre. Dafür ist der Boden zu morastig. Es ist ganz einfach so: Dieser Abschwung – dieser Einbruch muss man ja sagen – war so tief und vor allem in einer Dramatik, in einer Schnelligkeit, wie es ihn eigentlich bisher in der Wirtschaftsgeschichte seit dem 2. Weltkrieg nicht gegeben hat.«

Frage 2:
»Was heißt das konkret, wie sind die Maschinen ausgelastet?«

Dr. Volker Schmidt:
»Wir haben im Augenblick im Bereich der Metall- und Elektro-Industrie eine Auslastung, von ›Pi mal Daumen‹ 70 Prozent. Das ist natürlich deutlich weniger, als das Vorkrisenniveau vom 1. Halbjahr 2008 war. Damals lagen wir bei 98 Prozent, jetzt 70 Prozent. Wir rechnen dieses Jahr in 2010 mit einem Zuwachs der Produktion von ungefähr 10 Prozent, der sich vor allem aus dem Ausland speist. Das bedeutet aber auch, am Jahresende werden wir nicht deutlich über 75-77 Prozent Kapazitätsauslastung kommen.«

Frage 3:
»Die Metallindustrie ist besonders vom Auslandsgeschäft abhängig.
Wie läuft das Geschäft mit den ausländischen Kunden?
«

Dr. Volker Schmidt:
»Wir müssen feststellen, dass das Auslandsgeschäft sehr unterschiedlich ist. Wir haben im Bereich Westeuropas, im Bereich der USA eher noch mit einer stagnierenden oder allenfalls moderat nach oben gerichteten Nachfrage zu tun. Was im Augenblick läuft und uns sehr erfreut ist der asiatische Raum, insbesondere China. Da rechnen wir doch mit spürbaren Zuwächsen. Insgesamt wird das Auslandsgeschäft aber 2010 noch nicht die erwarteten Steigerungsraten bringen, die wir uns erhoffen, um deutlich wieder nach oben zu kommen.«

Frage 4:  (NM)
»Lassen Sie uns über die Mitarbeiterentwicklung sprechen.
Was bedeutet das für die Beschäftigtenzahlen?«


Dr. Volker Schmidt:
»Wir haben im Augenblick eine Kapazitätsauslastung im Metall- und Elektro-Bereich von 70 Prozent. Wir werden die Beschäftigung nach Kräften halten. Man muss aber auch hinzufügen: »hire-and-fire« war niemals ein Thema der Metall- und Elektro-Industrie – es ist es heute schon gar nicht. Wir haben 2009 trotz eines solchen Einbruchs in der Auslastung nur 4 Prozent Beschäftigung abgebaut, haben also eine Lücke von 26 Prozent zwischen Kapazitätsauslastung und Beschäftigungsabbau. Diese Lücke führt zu enorm ansteigenden Lohn-Stückkosten, weil die Produktivität auch entsprechend gesunken ist. Wir können nicht garantieren, dass wir diese Stabilität, die wir im Augenblick noch haben auch 2010 halten. Das hat ganz einfach damit zu tun, dass diese hohe Lücke Liquidität kostet, dass sie Eigenkapital kostet. Und wenn am Ende nichts mehr geht und die Existenz eines Unternehmens zur Debatte steht, muss möglicherweise auch umstrukturiert werden – das heißt, es muss Beschäftigung abgebaut werden.«

Frage 5: 
»Noch vor einem Jahr war eine zunehmende Kreditklemme zu befürchten.
Welchen Eindruck haben Sie heute?«


Dr. Volker Schmidt:
»Zur Entspannung, ich sage mal im 2. Halbjahr 2009, hat sicherlich beigetragen, dass – nach unserer Beobachtung – die Kreditversorgung sich ein Stück weit verbessert hat gegenüber Anfang 2009/ 1. Halbjahr 2009. Wir stellen insbesondere im Bereich bis zu 4-5 Millionen Euro eine relativ gute Versorgung fest. Also insbesondere für den kleineren Mittelstand eine sehr gute Versorgung, die vor allem daraus resultiert, dass wir hier einen sehr intensiven Wettbewerb haben, der Volksbanken, der Sparkassen, mit anderen Kreditinstituten auch. Also hier funktioniert die Versorgung. Wir müssen darüber hinaus aber feststellen, dass im Bereich 10 bis 70, 80, 90 Millionen wir doch leichte Probleme nach wie vor haben. Das ist von Branche zu Branche unterschiedlich. Aber was uns hier in Niedersachsen in besonderer Weise hilft, ist, dass wir eine sehr starke Norddeutsche Landesbank in diesem Segment haben, die für mehr Wettbewerb sorgt. Und wir können froh sein, dass wir überhaupt diesen Wettbewerb der Landesbanken haben, der unseren Unternehmen in diesem Segment in besonderer Weise hilft.«

Frage 6:
»In vielen Unternehmen ist Kurzarbeit an der Tagesordnung.
Wie wird sich das in Zukunft auswirken?«


Dr. Volker Schmidt:
»Man muss immer wieder hinzufügen: Kurzarbeit ist ein Rettungsring, aber kein Rettungsboot. Gleichwohl - wir haben 2009 mit der sehr pragmatischen und sehr unkonventionellen Vorgehensweise der Bundesregierung die Lage in den Betrieben erfreulicherweise stabilisieren können. Und über die Stabilisierung der Belegschaften in den Unternehmen natürlich auch einen Beitrag dazu geleistet, dass die gesamtwirtschaftliche Leistung nicht wesentlich stärker eingebrochen ist. Das steht außer Zweifel. Wir müssen uns aber natürlich die Frage stellen, wie lange man Kurzarbeit unter diesen jetzigen Bedingungen weiter gewähren kann. Wir sind dankbar und freuen uns darüber, dass die Regelung ›Volle Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge‹ für 2010 weiter läuft. Und wir denken, man muss auch über diesen Zeitpunkt hinaus Kurzarbeit in der einen oder anderen Form weiter laufen lassen. Das heißt, wir müssen jetzt unsere Konzentration darauf legen, eine Weiterentwicklung dieses hochintelligenten Modells zu konzipieren. Darüber laufen im Moment Gespräche und wir werden sehen, was die nächsten Monate bringen. Wir sind aber hoffnungsfroh, dass wir zu einer doch wie auch immer gearteten Weiterentwicklung des Modells der Kurzarbeit kommen.«

 
 
 
 

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Interview mit Dr. Volker Schmidt

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