Pressemeldung vom 27. Oktober 2011

Herrenhäuser Forum 2011

Moralischer, nicht moralisch
Wie viel Ethik verträgt die Wirtschaft?

Hannover. Das Herrenhäuser Forum hat sich solchen Fragen mit illustrem Beistand genähert. Und vom 46-Jährigen Philosophen Richard David Precht bis zum 83-Jährigen Sozialdemokraten Klaus von Dohnanyi gehen dabei alle schnell auf Distanz zum Moralbegriff. „Die vornehmste Aufgabe der Ethik ist es, vor Moralisieren zu warnen“, sagt Ingo Pies, Professor für Wirtschaftsethik an der Uni Halle.

Freilich lautet das Motto des Treffens, das NiedersachsenMetall zusammen mit dem Industrie-Club Hannover und der Volkswagen Stiftung in der Galerie Herrenhausen veranstaltet hat „Märkte, Macht, Moral – wie viel Ethik verträgt die Wirtschaft?“ Aber Meinhard Miegel, der einst zusammen mit Kurt Biedenkopf zu den Vordenkern der CDU gehörte, fragt skeptisch: „Kann Wirtschaft moralisch sein?“

Dohnanyi verwirft die Moralfrage vollends. „Entscheidend ist nicht, wie viel Ethik die Wirtschaft braucht, sondern wie viel Ordnung?“ Zur aktuellen Krise habe es nur durch die Regellosigkeit der Finanzmärkte kommen können. „Die sind nicht unmoralisch, sondern ungeordnet, die gilt es neu zu ordnen.“

Einigkeit herrscht bei diesem Forum über das Ziel eines Ordnungsrahmens für den wirtschaftlichen Wettbewerb, offen bleibt leider nur, welcher Weg dorthin führen kann.

Petra Ledendecker, Präsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen, hält dagegen. „Beim Mittelstand gab es keine Krise wie im Finanzmarkt“, sagt die 57-Jährige Unternehmerin aus Melle. „Der Mittelstand ist durchaus moralisch, sonst wäre er nicht erfolgreich.“

Daniel Alexander Schacht

 
 
 
 

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