Salzgitter. Johannes Grefe hat den direkten Vergleich. Seine beiden Brüder haben zeitgleich mit ihm angefangen zu studieren, aber der jetzt 25-Jährige war der einzige, der sich im Jahr 2006 für ein duales Studium entschied. Eine Zeitungsanzeige von Bosch hatte ihn auf die Idee gebracht. Zunächst war es vor allem die inhaltliche Ausrichtung im Fachbereich Elektrotechnik, die ihn überzeugte, dann kam aber noch ein weiteres Argument hinzu: „Die Möglichkeit, schon während des Studiums eigenes Geld zu verdienen, ist natürlich auch nicht zu verachten“, sagt er. Und auch nach erfolgreichem Abschluss als „Bachelor of Engineering“ ist er überzeugt, den richtigen Weg gegangen zu sein. In Sachen Einstiegschancen, Verdienst-und Karrieremöglichkeiten steht er seinen Brüdern in nichts nach. Und während diese an der Universität erst relativ spät erfuhren, welche Kenntnisse sie in ihren späteren Jobs tatsächlich benötigen würden, war Johannes Grefe während der Praxisphasen des Studiums von Anfang an in die Produktionsabläufe im Bosch-Werk Salzgitter eingebunden. Drei Jahre nach dem Studium ist er dort inzwischen in der Produktplanung fest angestellt – und sattelt nebenbei gerade noch den Master auf.
Auch seinen beiden ehemaligen Mitstudentinnen, Kerstin Borggreve und Maike Wielepsky, 24 und 23 Jahre alt, ist die Begeisterung förmlich anzuhören, wenn sie über ihre verantwortungsvollen Positionen im internationalen „Competence Network“ von Bosch sprechen. „Ich habe einen tollen Job“, fasst Borggreve zusammen, „und gut bezahlt wird er auch noch“.
Bosch Salzgitter bietet in Zusammenarbeit mit der dualen Hochschule Mosbach in Baden-Württemberg seit 2005 den Bachelor an und hat laut Helsinger sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Alle Absolventen wurden bisher übernommen und es werden jährlich mehr. Von zwei Studienplätzen im kaufmännischen und vier im technischen Bereich im Jahr 2005 ist die Zahl laut Einstellungsplan für September 2012 inzwischen auf zwölf gestiegen, gleichzeitig ist die Bandbreite der fachlichen Ausrichtung deutlich größer geworden. Elektrotechnik, Mechatronik oder Informatik können die technischen Studenten als Schwerpunkt wählen, außerdem gibt es weiterhin den „Bachelor of Arts/Industrie“ als kaufmännischen Abschluss und zusätzlich den Bereich Wirtschaftsingenieurswesen mit dem Bachelor of Engineering Studiengang Internationales Technisches Projektmanagement.
„Inzwischen planen die einzelnen Abteilungen die Studenten schon fest ein und legen mir im Vorfeld der Praxisphasen schon Projekte auf den Tisch, die dann von ihnen bearbeitet werden können“, berichtet Helsinger. Ein solches Projekt kann zum Beispiel die Fehleranalyse in der Leiterplattenfertigung sein, die Definition von Abfragekriterien für eine Datenbank oder die eigenständige Entwicklung einer Geschwindigkeitsmesstafel für den Werksverkehr. Die Praxisphasen machen die Hälfte des Studiums aus und sind so intensiv, dass Bosch, anders als andere Unternehmen, bei seinem dualen Konzept nicht Ausbildung und Studium kombiniert, sondern die Abiturienten binnen sechs Semestern direkt zum Bachelorabschluss führt. Trotzdem sind zwischendurch auf Wunsch auch Auslandsaufenthalte oder Stationen in anderen Bosch-Werken möglich. „Das tolle an diesem Studium ist, dass es so flexibel ist“, sagt Absolvent Johannes Grefe.