Pressemeldung vom 02. September 2010
Ausbildungsbereitschaft weiterhin hoch
Unternehmen sehen zusätzliche Potenziale bei Mädchen und Migranten
Hannover – 2. September 2010. Die Ausbildungsbereitschaft der Industrie steigt. Aber: Zwei Drittel der Unternehmen sehen Handlungsbedarf wegen rückläufiger Bewerberzahlen. Und: Acht von zehn Unternehmen stellen eine mangelnde Ausbildungsreife fest. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage, die an fast 700 Mitgliedsfirmen der im „Haus der Industrie“ zusammengeschlossenen Arbeitgeberverbände gerichtet war.
So stellen die bei NiedersachsenMetall organisierten 250 Betriebe zum Ausbildungsstart 2010 nach derzeitigem Stand insgesamt 960 neue Ausbildungsplätze zur Verfügung. Das ist gemessen am Vorjahr ein Plus von 4 Prozent. Olaf Brandes, Abteilungsleiter Bildung: „Unsere Unternehmen haben ihre Zukunftssicherung im Blick. Sie zeigen ein hohes Interesse an den Fachkräften von morgen.“
So bilden zurzeit mehr als 82 Prozent der Mitgliedsunternehmen von NiedersachsenMetall aus. Im Bereich der Deutschen Kautschukindustrie sind es 79 Prozent. Rund drei Viertel der Unternehmen der Allgemeinen Arbeitgebervereinigung Hannover und des Verbands der Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitenden Industrie Norddeutschlands setzen auf eine eigene Ausbildung. Insgesamt werden von den Unternehmen dieser Verbände nach derzeitigem Stand fast 1.960 neue Ausbildungsplätze angeboten.
Die Umfrage hat allerdings auch deutlich gemacht, dass eine nachlassende Ausbildungsreife zu einem wachsenden Problem für die Firmen wird. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen stellen bei ihren Bewerbern eine mangelnde Ausbildungsreife fest.
Sie kritisieren zudem bereits bei der Bewerbung erhebliche Mängel in der äußeren Form, und rund zwei Drittel beklagen massive Defizite in der Beherrschung von Rechtschreibung, Ausdrucksfähigkeit und Grammatik bei den Bewerbungsschreiben. Nur ein Drittel der Bewerbungen weise keine gravierenden Mängel auf. Brandes: „Vielfach handelt es sich um elementare Fertigkeiten, die einfach nicht vorhanden sind. Die Probleme sind nicht neu, doch sie nehmen beständig zu.“
Unternehmen sehen Handlungsbedarf
Mehr als 60 Prozent der Unternehmen sehen Handlungsbedarf, um auf den absehbaren Trend rückläufiger Bewerberzahlen zu reagieren. Sie werden das Ausbildungsmarketing intensivieren, verstärkt mit Schulen kooperieren und neue Bewerbergruppen einbeziehen.
Hierzu zählen zum Beispiel Schulabgänger mit Migrationshintergrund. Die Verbände plädieren dafür, die Bildungschancen für Migranten zu erhöhen. Brandes: „Seit Jahrzehnten arbeiten in unseren Industriezweigen ausländische und deutsche Mitarbeiter sehr erfolgreich und harmonisch zusammen. Dies gilt es zu verstärken.“ Nach Untersuchungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (iw) sind die Chancen von Mitgrantenkindern auf Ausbildungsplätze geringer als für deutsche Jugendliche, weil viele Migranten nicht über das erforderliche Qualifikationsniveau verfügen. Brandes: „Das iw hat ermittelt, dass ausländische Jugendliche deutlich seltener über höhere Schulabschlüsse verfügen als deutsche.“ Bezogen auf die Bundesländer weise Niedersachsen laut aktuellem Bildungsmonitor hier einen besonders großen Handlungsbedarf aus.
Die Arbeitgeber fordern überdies, die politischen und gesellschaftlichen Anstrengungen auf eine bessere Integration zu richten. Brandes: „Wir sehen in ausländischen Jugendlichen eine große Chance für die Besetzung unserer Ausbildungsplätze.“
Die Arbeitgeber unterstützen nachdrücklich die Bemühungen von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, die Bildungschipkarte modellhaft zu erproben. Brandes: „Dieses Instrument kann mit dazu beitragen, die Ausbildungsreife der Bewerber zu verbessern und insbesondere für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund bessere Chancen am Arbeitsmarkt zu erschließen. Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, dass das Projekt bereits wieder zerredet wird, bevor die angestrebten Ergebnisse aus den Modellregionen überhaupt vorliegen.“
Die Verbände werden unabhängig davon ihre eigenen Aktivitäten ausdehnen. Dazu zähle die kontinuierliche Zusammenarbeit mit 140 Schulen und 120 Unternehmen der Stiftung NiedersachsenMetall ebenso wie ein gesteigertes Engagement auf der nächsten IdeenExpo.
Werner Fricke 0172-5105912 0511-8505293
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Kommunikation
Leiter des Bereiches
Werner Fricke
Tel: 05 11 / 85 05 - 293
Fax: 05 11 / 85 05 - 291
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