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»Diese Besonnenheit wünsche ich mir auch für die Zukunft«

Unternehmer loben neue Instrumente im Tarif-Werkzeugkasten

Hannover. Applaus für die Sozialpartnerschaft und den Flächentarifvertrag. Zwei, drei Mal haben Arbeitgeber und Gewerkschaft in Niedersachsen sondiert, dann wurde der Sack zugemacht. Und siehe da, das Jahr 2010 wird in die Tarifgeschichte eingehen. Weil auch ohne Trillerpfeifen, Warnstreiks und sonstigem Getöse ein Tarifabschluss erzielt wurde.


Arbeitsplatz M+E: Um die Jobs langfristig zu sichern, haben Arbeitgeber und Gewerkschaften Tarifverhandlungen im Schnelldurchgang geführt.


Dass der Flächentarif funktioniert und alles andere als ein Auslaufmodell ist, davon profitieren nicht erst seit dem Tarifabschluss im Schnelldurchgang etliche Unternehmen in Niedersachsen. „Wir haben jetzt Planungssicherheit für einen recht langen Zeitraum“, lobt Torsten Muscharski, Personalleiter bei Volvo Construction Equipment, ABG Allgemeine Baumaschinen-Gesellschaft, die lange Laufzeit der jüngsten Einigung. Das Hamelner Unternehmen weiß solche Rahmenbedingungen besonders zu schätzen. Hat doch die brutale Krise die Baumaschinen-Hersteller besonders getroffen.

Doch die Not schweißt auch bei Volvo Unternehmensleitung und Belegschaft zusammen. Noch 2008 boomte das Geschäft – im Ausland waren die Straßenfertiger aus Hameln gefragt. „Von Januar bis September hatten wir 130 Prozent gearbeitet“, sagt Personalleiter Muscharski. „Die Arbeitszeitkonten waren prall gefüllt.“ Doch dann krachten die Märkte zusammen. Dank der flexiblen Arbeitszeitmodelle und vor allem der Kurzarbeit konnte das Unternehmen seine Stammbelegschaft weitgehend halten. „Das wir nun neben der gesetzlichen Kurzarbeit auch eine tarifliche Kurzarbeit haben, ist eine wichtige Option“, urteilt Muscharski.


Flexible Umsetzung der Tarifvereinbarungen: Komatsu-Hanomag-Chef
Göksel Güner
lobt den Flächentarifvertrag


Applaus für den Flächentarifvertrag ist beispielsweise auch von der Komatsu-Hanomag GmbH in Hannover zu hören. Das Unternehmen fertigt Bagger und Radlader und musste wie alle in der Branche einen noch nie erlebten Absturz bei Aufträgen und Auslastung hinnehmen. Komatsu zog deshalb alle Register, die der Tarifvertrag bietet: Kurzarbeit und eine Absenkung der Wochenarbeitszeit (Vier-Tage-Woche) mit dem sogenannten Tarifvertrag Beschäftigungssicherung. Durch diesen Schritt spart der Konzern Personal- und Energiekosten. Wie flexibel Geschäftsführung mit Betriebsrat und Gewerkschaft die Tarifvereinbarungen umgesetzt haben, hat auch in der japanischen Komatsu-Zentrale Eindruck gemacht. „Dort staunt man sehr über das Beschäftigungswunder in Deutschland“, sagt Komatsu-Hanomag-Chef Göksel Güner.

Beispiele wie diese kennt Norbert Reiners, Tarifexperte von NiedersachsenMetall, zuhauf: „Die Unternehmen rechnen damit, dass sie nach der Durststrecke wieder zu alter Stärke zurückfinden. Wenn es soweit ist, wollen sie ihre erfahrene Mannschaft um sich wissen.“ Es wäre naiv zu glauben, wir würden die Rezession unbeschadet überstehen. Doch gerade jetzt, das spüren viele Unternehmer und Personalleiter, helfen die neuen zusätzlichen Instrumente in dem Werkzeugkasten, den die Tarifpartner zusammengestellt haben.

„Dieser Tarifabschluss wird dem Flächentarif einen zusätzlichen Schub verleihen“, sagt Rolf Mayer, Geschäftsführer der Braunschweiger Maschinenbau-Anstalt. „Gewerkschaft und Arbeitgeber haben erneut ein gutes Beispiel dafür geliefert, wie in der sozialen Marktwirtschaft Tarifpartnerschaft funktionieren kann.“
Sein Unternehmen, das mit seinen rund 300 Mitarbeitern vor allem Maschinen- und Anlagen für die Zucker- und Stärkeindustrie weltweit liefert, hat in der Vergangenheit einige Male gemeinsam mit seinem Betriebsrat und der örtlichen IG Metall pragmatische Lösungen im Sinne der Arbeitsplätze und der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens erzielt. Mayer: „Diese Tarifrunde hat es vorgemacht. Geradezu wohltuend war der Verzicht beider Seiten auf die üblichen Spielchen, auf Warnstreiks, Rituale und Arbeitskampf-Rhetorik. Diese Besonnenheit wünsche ich mir auch für die Zukunft.“
wf

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Aus den Unternehmen

Tarifexperte Norbert Reiners: „Die Unternehmen rechnen damit, dass sie nach der Durststrecke wieder zu alter Stärke zurück finden.“

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